In den letzten Jahren hat das Medium Video auch im HR-Marketing stark Einzug gehalten. Interessante Videos sind zu Jobprofilen entstanden. Mit Bild und Ton können Inhalte noch attraktiver und lebendiger zum Interessenten übermittelt werden, als wenn nur reine Textblöcke und Bilder dargestellt sind. Gut erarbeite Videos geben dem potenziellen Interessenten die Möglichkeit, einen spannenden Einblick zum Unternehmen und der von ihm interessierten Position zu erhalten. Doch die Gratwanderung von guten und spannenden Videos zu langweiligen und teils peinlichen und unprofessionell gestalten Videos ist schmal.

Viele Unternehmen nutzen neben dem Arbeitgeberauftritt auf der Unternehmenswebsite bzw. einer spezifischen Arbeitgeber-Internetseite, unterschiedliche Social Mediakanäle, um mit Bild, Ton und Text ein Image vom Unternehmen als Arbeitgeberin nach aussen zu tragen. Zeigen die Unternehmen aber nur «Töggelikasten»-Feeling, Mitarbeitende in der Yoga-Stunde, an coolen Dachterrassen-Partys oder an Adventure-stylischen Team-Events, reicht dies bei weitem nicht aus, ein wirkliches Bild der Arbeitgeberin zu zeichnen. Mitarbeitende suchen Sinnhaftigkeit bei der Arbeit. Gewiss ist es attraktiv, vielfältige soziale Anlässe aufzuzeigen. Dies gehört selbstverständlich zu einer attraktiven Unternehmenskultur dazu. Jedoch sollten Arbeitsinhalte ebenso dargestellt werden, damit man einen wichtigen Einblick erhält, was man als Arbeitnehmerin bzw. Arbeitnehmer arbeitstechnisch erwarten kann. Seien wir ehrlich, schlussendlich verdienen wir unser Gehalt für unsere Leistung, die wir erbringen. Und da wird es beispielsweise für einen Softwareentwickler spannend zu sehen sein, was für Softwareprojekte er entwickeln und sich dabei persönlich weiterentwickeln kann. Reine Lippenbekenntnisse und oberflächliche Messages und Kredos reichen nicht aus, dass man solche Fachkräfte an Bord holen kann. Spürt der passionierte Softwareentwickler etwa, dass wohl die spannende Aufgabe seines Jobs gar nicht hier, sondern tausende von Kilometern woanders getätigt werden, nützen ihm ein «trendiger» Arbeitgeberauftritt gar nichts. Gerade Softwareentwickler, die wohl wirklich zur Berufsgruppe des Fachkräftemangel gezählt werden kann, haben heute die Qual der Wahl bei der Auswahl eines neuen Arbeitgebers. Und gerade gut ausgebildete Mitarbeitende möchten wissen, was sie bei ihrer Arbeit bewirken und schlussendlich für einen Nutzen daraus ziehen können. Nur ein authentischer Arbeitgeberauftritt bringt wirkungsorientierten Nutzen einerseits für die Kandidatinnen und Kandidaten und andererseits für das Unternehmen. Zu bedenken ist auch: Arbeitgeberauftritte sollten nicht als statische Auftritte behandelt werden, sondern müssen sich stetig und kontinuierlich weiterentwickeln.

Wie sieht es nun in der Praxis aus: Wie treten schweizerische Unternehmen als Arbeitgeberin auf ihrer Unternehmenswebsite auf? Im nächsten Blog wird eine «Feldstudie» aufzeigen, wie Unternehmen ihren Arbeitgeberauftritt umgesetzt haben. Dabei versuchen wir auch aufzuzeigen, wo Potenzial oder salopper ausgedrückt «Luft nach oben» besteht.

Marco Kägi und Claudio Cederna